Jugendvesper in Bremen
Entspannte Leute, gute Musik, aktuelle Themen
Jugendvespern gibt es bald auch in Bremen: mit Predigten über Glaube, Spiritualität, Liebe oder Frieden. Das neue Angebot soll keine Konkurrenz zu den Treffen im Osnabrücker Dom sein.

in Bremen statt. Foto: Nadine Vogelsberg/Archiv Kirchenbote
Den Auftakt macht ein Künstler aus Oldenburg: der Sänger Linc van Johnson. Er wird bei der ersten Jugendvesper in der Bremer Propsteikirche St. Johann sprechen, vor allem über die Höhen und Tiefen des Musikerdaseins. Seit vielen Jahren ist van Johnson in der Musikszene unterwegs, als Frontmann, Bassspieler und Singer-Songwriter. Und wie so viele Künstler, leidet er in der Corona-Krise ganz besonders – weil die Auftritte fehlen und die berufliche Existenz bedroht ist.
„Wir werden auch darüber diskutieren, warum wir uns in der Kirche versammeln dürfen, aber nicht in Konzerthallen“, sagt Fabienne Torst. Die Dekanatsjugendreferentin freut sich auf die Premiere am 13. Dezember in Bremen, die sie mit Hauptamtlichen aus dem Dekanat Twistringen organisiert.
Bei der einen Jugendvesper bleibt es aber nicht. Die Dekanatsjugendreferenten aus Bremen und Twistringen wollen ein regelmäßiges liturgisches Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene schaffen – Gottesdienste „mit entspannten Leuten, guter Musik, aktuellen Themen und spannenden Rednern“. Und zwar an jedem zweiten Sonntag im Monat.
Jugendvespern gibt es bereits seit mehr als 20 Jahren im Osnabrücker Dom. „Unser Angebot soll keine Konkurrenz sein“, betont Fabienne Torst. Aber es sei immer sehr zeitaufwendig gewesen, für einen Abend nach Osnabrück zu fahren. „Oft waren wir erst gegen Mitternacht wieder zu Hause.“
Statt gemeinschaftlichem Gesang: Sologesang mit Klavierbegleitung

Bremen. Foto: Christof Haverkamp
Fabienne Torst ist dankbar, dass Gottesdienste zurzeit überhaupt möglich sind. Wenn auch unter strengen Corona-Auflagen. Mehr als 50 junge Teilnehmer dürfen nicht in die Propsteikirche – und es sich auch nicht wie ursprünglich geplant im Altarraum gemütlich machen. Zu eng. Auch gemeinschaftlicher Gesang ist nicht erlaubt. Den musikalischen Teil bestreiten Kirchenmusikdirektor Karl-Bernhard Hüttis und Dekanatsjugendreferentin Torst – Sologesang mit Klavierbegleitung.
Dennoch: Sich zu treffen und das nicht nur digital, sei ein wichtiges Signal, dass „wir die jungen Leute nicht alleinlassen“, sagt Fabienne Torst. „Viele sind zurzeit digital übersättigt und vermissen echte Begegnungen.“
Das Motto der Bremer Vesper lautet: „Schau hin“, angelehnt an das Motto des Ökumenischen Kirchentages 2021. Es sei „ein Appell an uns alle, nicht nur zu sehen, sondern hinzuschauen, wahrzunehmen und Verantwortung zu übernehmen“, betonen die Organisatoren.
Passend zum Motto werden Predigerinnen und Prediger eingeladen, über Glaube, Spiritualität, Liebe, Sexualität oder Frieden etwas Inspirierendes zu erzählen. Im Januar zum Beispiel kommt Fiete Sturm nach Bremen. Er leitet die Hamburger Seemannsmission und berichtet über die schwierige Situation der Seemänner in Corona-Zeiten. Am Valentinstag ist ein junger Mann zu Gast, dessen Homosexualität mit einer Konversionstherapie „geheilt“ werden sollte.
Es geht darüber hinaus um Themen wie Frauen in der Kirche, Ökumene und interreligiösen Austausch. Sobald sich die Jugendvespern etabliert haben, sagt Fabienne Torst, sollen auch Ehrenamtliche bei den Vorbereitungen helfen.
Anja Sabel
Die erste Jugendvesper in Bremen findet am Sonntag, 13. Dezember, um 20 Uhr in der Propsteikirche St. Johann statt. Termine 2021 bis zu den Sommerferien: 10. Januar, 14. Februar, 14. März, 11. April, 9. Mai, 13. Juni, 11. Juli. Weitere Infos